Der Weltpriester Konrad von Marburg war ein Sadist übelster Couleur, der der wahnwitzigen Idee anheimfiel, Heil könne nur durch Schmerz erworben werden. Er wurde von Papst Gregor IX als Inquisitor für ganz Deutschland eingesetzt und arbeitete mit fieberhaftem Wahn.
Sein erster Auftrag betraf die Untersuchung einer Gruppe, die sich Luziferaner nannte. Sein unglaublicher Sadismus ließ ihn Foltermethoden ersinnen, die seine Opfer im Schmerzenswahn Geständnisse von solcher Greulichkeit abgeben ließ, daß ein ganzes Volk in Sorge war, asl es davon erfuhr.
Konrad nahm die "Aussagen" für bare Münze und gab sie als heilige Wahrheit an den Papst weiter, der somit zu der Überzeugung gelang, daß diese Ketzermonster vom Angesicht der Erde zu tilgen seien, egal ob Mann Frau oder Kind, Gregor gelangte zu der Ansicht, daß die Ketzer einen Pakt mit dem Fürsten der Finsternis, Luzifer, geschlossen haben mußten. Er glaubte auch ohne weiteres, daß der Teufel zu den Sabatten erschien, in Gestalt eines Tieres, als Schemen oder als Gehörnter, bocksbeiniger Satan und seine Anhänger zu den obszönsten Praktiken anstiftete. Die Ansichten und Darstellungen des Konrad von Marburg flossen sogar in die Gesetzgebung Gregors IX ein.
Zeitgenossen waren fast einhellig der Meinung, die der Erzbischof von Mainz dem Papst meldete: "Wer dem Konrad in die Hände fiele, dem bliebe nur noch die Wahl, entweder freiwillig zu bekennen und sich dadurch das Leben zu retten, oder seine Unschuld zu beschwören und unmittelbar drauf verbrannt zu werden."
Konrad glaubte jedem "Zeugen", sich mit juristischen Mittel verteidigen zu wollen, war nicht gestattet, nicht einmal dem Adel, der ebenso auf dem Scheiterhaufen landete, wie der Bettler. Das Geständnis beinhaltete, daß der Angeklagte zuzugeben hatte, daß er ein Ketzer sei, eine Kröte berührt, einen blassen Mann oder ein anderes Ungeheuer geküßt zu haben.
Der Erzbischof berichtete weiter, daß viele Katholiken sich als nicht geständig lieber verbrennen lassen würden, als Dinge zuzugeben, die sie sich nicht einmal vorstellen konnten zu tun, Schändlichkeiten, die ihnen von Konrad suggeriert wurden. Jene, die nicht soviel innere Stärke aufbrachten, denunzierten andere, in der stillen Hoffnung, durch Kooperation mit dem Leben davon zu kommen. Sie bestätigten Konrad die Namen, die er ihnen vorgab, Namen der Personen - bevorzugte Adelige und Wohlhabende - die er bereits verdächtigte und nur noch eine Möglichkeit suchte, auch anzuklagen. Der Bruder denunzierte den Bruder, der Mann seine Frau und umgekehrt, die Dienerschaft die Herrschaft.
Das was Konrad von Marburg in seinem Eifern hören wolle, wie er sich die Umtriebe der Ketzer verstellte, berichtete er haarklein nach Rom, worauf sich Papst Gregor IX befleißigt sah, eine Bulle zu verfassen, die an die Bischöfe von Paderborn, Hildesheim, Münster und Osnabrück gerichtet war. Dem Erzbischof von Mainz und Konrad werden darin besondere Aufgaben erteilt und es wird angeordnet, das Kreuz gegen die Ketzer zu predigen. Das wichtigste an der Klage Gregors übe die Ketzer soll hier im Auszug wiedergegeben werden:
"Wenn ein Neuling aufgenommen wird und zuerst in die Schule der Verworfenen eintritt, so erscheint ihm eine Art Frosch, den manche auch Kröte nennen. Einige geben ihm einen schmachwürdigen Kuß auf den Hintern, andere auf das Maul und ziehen die Zunge und den Speichel des Tieres in ihren Mund. Dieses erscheint zuweilen in gehöriger Größe, manchmal auch so groß wie eine Gans oder Ente, meistens jedoch nimmt es die Größe eines Backofens an.
Wenn nun der Noviz weitergeht, so
begegnet ihm ein Mann von so wunderbarer Blässe, mit ganz schwarzen Augen, so
abgezehrt und mager, daß alles Fleisch geschwunden und nur noch die Haut um die
Knochen zu hängen scheint.
Diesen küßt der Noviz und fühlt, daß er kalt wie Eis ist, und nach dem Kuß
verschwindet alle Erinnerung an den katholischen Glauben bis auf die Spur aus
seinem Herzen.
Hierauf setzt man sich zum Mahle, und wenn man sich danach wieder erhebt, steigt durch eine Statue, die in den Schulen steht, ein schwarzer Kater von der Größe eines mittelmäßigen Hundes rückwärts und mit zurückgebogenem Schwanz herab. Diesen küßt zuerst der Noviz auf den Hintern, dann der Meister und dann alle übrigen der Reihe nach, jedoch nur diejenigen, die würdig und vollkommen sind; die Unvollkommenen aber, die sich nicht für würdig halten, empfangen von dem Meister den Frieden, und wenn nun alle ihre Plätze eingenommen, gewisse Sprüche hergesagt und ihr Haupt gegen den Kater hingeneigt haben, so sagt der Meister: "Schone uns!" und spricht dies dem Nächststehenden vor, worauf der Dritte antwortet und sagt: "Wir wissen es, Herr!" und ein Vierter hizufügt: "Wir haben zu gehorchen!".
Nach diesen Verhandlungen werden die Lichter ausgelöscht und man schreitet zur abscheulichsten Unzucht ohne Rücksicht auf Verwandtschaft. Geschieht es nun, daß mehr Männer als Weiber zugegen sind, so befriedigen auch Männer mit Männern ihre schändliche Lust. Ebenso verwandeln auch Weiber durch Verkehr miteinander den natürlichen Geschlechtsverkehr in einen unnatürlichen.
Wenn aber diese Ruchlosigkeiten vollbracht, die Lichter wieder angezündet und alle wieder auf ihren Plätzen sind, dann tritt aus einem dunklen Winkel der Schule ein Mann hervor, oberhalb der Hüften glänzend und strahlender als die Sonne, wie man sagt, unterhalb aber rauh, wie ein Kater, und sein Glanz erleuchtet den ganzen Raum.
Jetzt reißt der Meister etwas vom Kleide des Novizen ab und sagt zu dem Glänzenden: "Meister, dies ist mir gegeben und ich gebe dir's wieder", worauf der Glänzende antwortet: "Du hast mir gut gedient, die wirst mir mehr und besser dienen; ich gebe in deine Verwahrung, was du mir gegeben hast", - und unmittelbar nach diesen Worten ist er verschunden.
Auch empfangen sie jährlich um Ostern den Leib des Herrn aus der Hand des Priesters, tragen ihm im Mund nach Hause und werfen ihn in den Unrat zur Schändung des Erlösers. Außerdem lästern diese Unglückseligen aller Elenden den Regenten des Himmels mit ihren Lippen und behaupten, daß der Herr der Himmel gewalttätiger-, ungerechter- und arglistigerweise Luzifer in die Hölle hinabgestoßen habe.
An diesen glauben die Elenden auch und sagen, daß er der Schöpfer der Himmelskörper sei und einst nach dem Struz des Herrn zu seinem Ruhm zurückkehren werde; durch ihn un mit ihm und nicht vor ihm erwarten sie auch ihre eigene ewige Seligkeit. Sie bekennen, daß man alles, was Gott gefällt, nicht tun solle,sondern vielmehr das, was ihm mißfällt"... etc.
Die Vorwürfe, die durch Konrads Berichte das Oberhaupt der katholischen Kirche in dieser Bulle gegen die Ketzer erhebt, decken sich im Wesentlichen mit den Anklagen gegen die Gnostiker, Manichäer, Mantanisten, Messalianer und Katharer. Auch kann man darin mißverstandene oder entartet dargestellte Teile von Ritualen zu Ehren des Pan erkennen.
Der Großinquisitor Konrad von
Marburg starb am 30. Juli 1233 einen unrühmlichen Tod auf dem Wege nach
Paderborn auf der Heide bei Marburg - er wurde überfallen und erschlagen.
Möge der Gott an den er glaubte, ihm seine Greueltaten als Folgen geistige
Verwirrung vergeben.
Quellenangabe
Peter de Rosa: Gottes erste Diener
Soldan/Heppe: Geschichte der Hexenprozesse
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