Die Legende vom Traumfänger (Ojibwe/Annishnabe/Chippewa)

Vor langer Zeit, als die Welt noch jung war, lebten alle Menschen der Ojibwe auf einer Insel, die man Turtle Island nennt.
Und seit damals erzählen die Alten die Geschichte, wie Asibikaashi, die Spinnenfrau, Wanabozhoo half, die Sonne zurück
zu den Menschen zu bringen.

Bis heute baut Asibikaashi ihr Heim vor Sonnenuntergang und wenn Du im Morgengrauen aufwachst, halte Ausschau nach ihrem Heim.
Dann wirst Du dieses Wunder sehen, wie sie das Licht der Sonne einfing in Tau, der ihr Heim bedeckt.

Asibikaasi kümmerte sich um ihre Kinder, die Menschen von Turtle Island, und tut das noch heute. Als der Stamm der Ojibwe nach den
vier Ecken der Welt zog um eine Prophezeiung zu erfüllen, wurde es Asibikaashi schwer, all die Wiegen ihrer Ojibwe-Kinder zu erreichen.
So lehrte sie all die Mütter, Schwestern und Großmütter, das magische Netz für die Babies zu weben, aus Weidenreifen und Sehnen oder
Garn, das sie aus Pflanzen gemacht hatten.

Sie kam zu den Frauen der Ojibwe und sprach: „Ich will Euch meine Medizin lehren: Die Verwirrungen des Lebens kommen nicht aus dem
Menschen selbst, denn wenn er geboren wird, liegt vor ihm ein gutes, im Geistigen begründetes Leben. Jene Geister um Euch herum,
die nicht in Harmonie leben, möchten, daß die Menschen zugrunde gehen. Es sind die bösen Geister, die dem Chaos entstammen und sie
suchen Euch heim, wenn ihr schlaft.

Während Asibikaashi sprach, nahm sie einen Zweig aus Weide, wand ihn zum Reif und begann mit Spinnweg ihn zusammenzuweben.
Sie fuhr fort zu sprechen: Eure Kinder sollen geschützt werden von den Elementen, die um uns sind.

So sucht eine Feder, vom Adler für einen Sohn, von der weisen Eule für eine Tochter und flechtet sie in das Netz. Die Feder ist die Luft,
die Ihr zum Atmen braucht und auch die Geister der Lüfte sind sie.

Dann sucht einen Stein, der den Geist der Erde in sich trägt und bindet ihn an den Reif. Und sucht eine Muschel, die den Geist des Meeres
in sich trägt und den ihr flüstern hört in ihr. Zum Schluss legt die Perlenschnur in das Gewebe. Diese Perlen wurden im Feuer gehärtet und
sie tragen in sich den Geist des Feuers.

Nun nehmt diesen Fänger der Träume, der die Kräfte von Erde, Wind, Feuer und Wasser in sich trägt. Hängt ihn über die Wiegen
der Kinder und über Eure Lager und Ihr werdet gut ruhen.

Das Netz hat die Form eines Kreises, so wie die Sonne tagtäglich über den Himmel zieht. Der Fänger der Träume filtert all die bösen
Träume aus der Luft und läßt nur die guten durch, daß nichts Böses die kleinen Seelen der Kinder zu schädigen vermag.
Ein kleines Loch ist in der Mitte, dort schlüpfen die guten Träume durch. Die bösen, fangen sich im Netz von Asibikaashi und zerschmelzen
in den ersten Strahler der aufgehenden Sonne.

Wenn wir Asibikaashi sehen, sollen wir keine Furcht vor ihr haben aber sie achten und beschützen.
Ihr zu Ehren haben die Traumfänger meist acht Ankerfäden, so wie sie acht Beine hat.

© 2001/2007 Winddancer